Pilgern früherEvang. Stadtkirche

 

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Pilgern in früheren Zeiten...

Bedeutung erlangte Lengerich zum einen durch die im 14. und 15. Jh. bekannte Margaretenwallfahrt und im 17 Jh. durch die Verhandlungen zum Westfälischen Frieden, in deren Verlauf sich hier mehrfach Abgesandte trafen. Auf halbem Wege zwischen Osnabrück und Münster gelegen, war es als mittelalterliches Dorf Raststation der Reitpost und Nachtquartier zwischen beiden Städten. Mehrfach war es auch Verhandlungsort. Unter anderem gaben am 10. und 11. Juli 1645 die kurfürstlichen Gesandten mit dem sog. „Lengericher Conclusum“ dem Kaiser die Empfehlung, das Reich nicht allein zu vertreten, sondern Vertreter aller Reichsfürsten und Reichsstädte zum Kongress zuzulassen.

In preußischer Zeit erhielt Lengerich schließlich Stadtrechte (1727). Neben der Leinenindustrie hatte besonders die Zementindustrie ab 1880 große Bedeutung für die Entwicklung der Stadt.

 

Evangelische Stadtkirche (ehem. St. Margareten)

Bereits im Jahr 799 hat Papst Leo III. in Ibbenbüren eine Kirche eingeweiht, zu deren ersten Tochterkirchen die Margaretenkirche in Lengerich gehörte. Der heutige Bau wurde im 15. Jh. errichtet, es fanden sich aber Hinweise auf mindestens zwei steinerne (12. und 13. Jh.) und evtl. sogar einen hölzernen Vorgänger. Mit der vor allem im 14. Jh, immer beliebter werdenden Wallfahrt, die viele Pilger anzog, wurde eine größere Kirche notwendig, die 1497 als zweischiffige Hallenkirche im spätgotischen Stil fertig gestellt war. Die Gewölbe beider Schiffe lagern auf einem einzigen Rundpfeiler, eine eher im Rheinland typische Bauform. Eine weitere Besonderheit bildet die Asymmetrie des Kirchenschiffes, die durch das nördliche Seitenschiff hervorgerufen wird. Im Süden war eine Ausweitung des Baugrundes nicht möglich, sodass die dortige Wand des Vorgängergebäudes wieder verwendet wurde, wie der Rest des erhaltenen romanischen Stufenportals zeigt.

In der Kirche befanden sich zwei Margaretenaltäre, wie aus zwei Urkunden der Jahre 1327 und 1330 hervorgeht. Der eine stand vor dem wundertätigen Bildnis der Heiligen. Auch eine der hl. Margareta geweihte, 1505 gegossene Glocke sowie ein ihr gewidmeter Brunnen mit angeblich heilkräftigem Wasser, dessen Standort jedoch nicht gesichert ist, sind Zeugnisse des mittelalterlichen Margaretenkults. Das Standbild der Heiligen, über dessen Aussehen oder Positionierung in der Kirche nichts Sicheres bekannt ist, wurde nach der Reformation abgenommen und vermutlich zerstört. Damit endeten auch die Pilgerfahrten.

Im Innern der Kirche befinden sich heute noch drei Epitaphe aus dem 16. Jh., darunter das des Ehepaares Münster zu Vortlage sowie eines aus dem 18. Jahrhundert.

HI. Margareta

Die hl. Margareta von Antiochia (314. Jh. n. Chr.) gehört zu den 14 Nothelfern, einer Gruppe von Heiligen, die besonders von Notleidenden angerufen werden, und ist vor allem Patronin der Gebärenden. Der Legende nach wurde Margareta wegen ihres christlichen Glaubens vor Gericht gestellt und erweckte dort mit ihrer außergewöhnlichen Schönheit das Begehren des Richters. Als Margareta diesen zurückwies, wurde sie gefoltert, blieb aber auf wundersame Weise unverletzt. Die Verbreitung dieses Mirakels im Volk hatte viele Taufen zur Folge, Margareta jedoch wurde um 304 n. Chr. Enthauptet. Der Festtag der Heiligen ist am 20. Juli, dem Beginn der Erntezeit, weswegen sie auch zur Bauernheiligen wurde.

 

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